Alles GOZO ++ Gary Bruno Schmid

Quantenphysik und Hypnose

Gary Bruno Schmid, Ph.D., Physiker, Tiefenpsychologe und Therapeut in medizinischer Hypnose arbeitet seit 1988 in eigner Praxis in Zürich. Er hat klinische Erfahrung mit nahezu allen psychologischen, psychiatrischen und psychosomatischen Störungen. Gary arbeitet hypnotherapeutisch, um die immunologischen, hormonellen, Nerven-und Stoffwechselvorgänge bei Infektionen, Immun- und Autoimmunerkrankungen einschliesslich Krebs und chronischen Schmerzen zu verbessern. Bei alles GOZO 2017 bietet er gemeinsam mit Veit Messmer den Workshop „Quantenphysik und Hypnose” an. Im Interview haben wir ihn zu der ungewöhnlichen Kombination und seinem Werdegang befragt.

Gary, „Quantenphysik und Hypnose“ ist eine auf den ersten Blick ungewöhnliche Kombination. Wie passt das zusammen?

Die Quantentheorie besitzt mehrere eigenartige Eigenschaften mit einem faszinierenden Potenzial für die Ausarbeitung von neuen, analogen psychologischen Modellen. Fünf Eigenschaften der Quantentheorie sind in der Physik einzigartig und zugleich von besonderer Relevanz für Hypnose. Diese Eigenschaften sind der Beziehung zwischen dem Beobachter und dem Objekt der Beobachtung innewohnend. Alles, was wir in der Quantenphysik über Teilchen sagen, können wir in der Psychologie über Gedanken und Vorstellungen sagen. Die oben angedeuteten 5 Eigenschaften können wir für die Hypnotherapie in (falsifizierbare) Analogien übersetzen. Das ist der Inhalt des Workshops.

C. G. Jung sagte einmal: „Das Niemandsland zwischen der Physik und der Psychologie des Unbewussten ist das faszinierendste, doch auch dunkelste Jagdgebiet unserer Zeit.“ Und ich sage, dass wir beides brauchen: die Quantenphysik und die Psychologie.

Albert Einstein stellte an den Schluss seiner Exposition zur Interpretation der Quantentheorie (Schilpp 1951) den folgenden Kurzdialog, den er mit einem seinerzeit bedeutenden theoretischen Physiker (Selleri 1981) hatte:

Kollege: „Ich neige dazu, an Telepathie zu glauben.”
Einstein: „Dies hat wahrscheinlich mehr mit Physik als mit Psychologie zu tun.”
Kollege: „Ja!”

Alles klar?

Du hast erst in Quantenphysik promoviert und dann das Diplom als Analytischer Psychologe erworben. Wann bist Du auf diesem Weg das erste Mal der Hypnose begegnet?

It’s a long story! Schon im Alter von ca. 4 oder 5 wusste ich, dass ich eines Tages medizinische Forschung betreiben möchte. Als sog. „Wunderkind” wurde ich von Professor Dr. med. Eugene N. Fox von der Western Reserve University im Alter von 6 oder 7 Jahren „entdeckt” – it’s another, even longer story – und später, nachdem Prof. Fox einen Ruf nach Chicago angenommen hatte, von Professor Dr. med. Irving P. Crawford unter seine Fittiche genommen. An der Uni war ich schon im Alter von 14 eingeschrieben. Als „Premed-Student” musste man zu der Zeit (Anfang der 60er Jahren) in den USA als Hauptfach Mathematik oder eine Naturwissenschaft belegen. Ich war einfach sehr gut in Mathematik, also habe ich meinen Bachelors Degree in Mathematik abgeschlossen.

Da das Postgraduate-Studium in der Medizin für mich zu wenig Mathematik beinhaltete und die Physik mich als Naturphilosophie faszinierte, bin ich vom „richtigen Weg”, d.h. der Medizin abgekommen und habe in Atom- und Reaktorphysik an der University of Arizona in Tucson, Arizona promoviert. Tucson ist nur rund 200 km von Phoenix entfernt, wo damals – in den 70er Jahren – Milton Erickson lebte. Ich habe ihn leider nie besucht, aber natürlich von ihm gehört und vieles über Hypnose gelesen. Ich habe sogar Selbsthypnose versucht, habe es aber nicht weiterverfolgt. Wegen meiner deutschen Wurzeln – mein Vater stammte aus Hausach im Schwarzwald – bewarb ich mich um ein Fulbright Scholarship (D.A.A.D. Dankstipendiums), das mich nach Karlsruhe brachte. Dort studierte ich an der Uni und arbeitete für meine Dissertation am Kernforschungszentrum. Nach der Promotion in Tucson wollte ich mich wieder der Medizin zuwenden, hatte aber so viel Erfolg mit Publikationen und bekam so viele Postdocs angeboten, z. B. an der NYU in NY, New York, am Joint Institute for Laboratory Astrophysics (JILA) in Boulder, Colorado und am Hahn-Meitner-Institut (HMI) in Berlin, dass ich vorerst Physiker blieb.

Ich ging zunächst ans JILA, Boulder unter der Bedingung, dass ich einige Monate für ein Forschungsprojekt am HMI in Berlin freinehmen konnte. Zugleich redete ich mit der Medical School in Denver mit der Absicht, nach meinen Aufenthalt in Berlin und Postdoc in Boulder, dort das Medizinstudium nachzuholen. Berlin gefiel mir sehr, ich verlängerte meinen Aufenthalt auf acht Monate und besuchte meinen ehemaligen „Adoptiv-Doktorvater” an der Universität Karlsruhe, Professor Gottfried Falk. Er bot mir auch ein Postdoc an und am selben Tag auf dem Weg zurück nach Berlin verliebte ich mich im Zug in eine Schweizerin. Wir entschieden uns spontan im Gefecht der „Big Love” zu heiraten, ich nahm die Postdoc Stelle bei Professor Falk an und meinte “Ok, das Universum will, dass ich Physiker bin, also bleibe ich Physiker!” Zurück in Boulder erfüllte ich meinen 2-Jahrespostdocvertrag am JILA, meldete mich von der Medical School in Denver ab und siedelte nach Karlsruhe um, wo ich an der Entwicklung einer neuen Sprache der (klassischen) Physik beteiligt war.

Während dieser fünf Jahre dauernden Anstellung suchte ich weiter eine Stelle als Professor der Atomphysik. Zur selben Zeit erzählte mir meine Frau vom C. G. Jung-Institut in Zürich und meinte, dies sei das Schweizer Pendant zum Deutschen Max Planck Forschungsinstitut. Ich schickte eine Blindbewerbung für eine Forschungsstelle als Physiker und bekam zu meiner Überraschung die Antwort, dass das Institut kein Forschungsinstitut ist, sondern ein Institut für die Ausbildung von Psychotherapeuten.

Voilà! So kam ich durch die Hintertür zurück zur Medizin! Die Jungianer pflegen etwas ähnliches wie die Selbsthypnose auf der Basis von Traumerlebnissen: Aktive Imagination. Wegen meines allgemeinen Interesses an Hypnose seit meiner Tucson-Zeit als in vivo Schnittstelle zwischen dem Geist und dem eigenen Körper – das Beobachter-Beobachtete-Thema ist jedem Quantenphysiker in vitro bestens vertraut (Schlüsselwort: Doppelspalt-Experiment und die Teilchen-Welle-Zweieinigkeit) -, wollte ich mehr über Hypnose lernen und eine echte Ausbildung geniessen. Nach Erhalt meines Diploms am Jung-Institut rief ich die Telefonauskunft in Zürich an – es gab eine Zeit vor dem Internet – und wurde an die Schweizerische Ärztegesellschaft für Medizinische Hypnose (SMSH) verwiesen, wo ich inzwischen zum Ausbildner und Supervisor avanciert bin.

Wie bist Du auf das Thema „Selbstheilung“ gekommen?

Nach meiner Aufnahme der Ausbildung am Jung-Institut in Zürich hatte ich noch circa zwei Jahre bis mein Postdoc-Vertrag in Karlsruhe abgelaufen war. In dieser Zeit fing ich mit der obligatorischen Lehranalyse in Karlsruhe bei Frau Dr. Hannah Wolf an. In ihrem Wartezimmer fand ich das Buch: Stumpfe, K.-D. (1973). Der psychogene Tod. Stuttgart, Hippokrates Verlag GmbH. Dies war der Schlüssel zu meinem weiteren Lebenslauf, denn: Falls der Mensch sich allein durch seine Vorstellungskraft umbringen kann, muss man nur das logische Vorzeichen der massgebenden psychologischen Faktoren – es sind insgesamt sechs – umkehren, um den Königsweg zur Selbstheilung durch Vorstellungskraft einschliesslich dem Placebo-/Sanabo-Effekt, der Psychoneuroimmunisation usw. zu finden. Letztendlich entscheidend ist die Art und Weise, wie das Bewusstsein ins Parenchym eingreift, und hier kommt die Quantenphysik zum Vorschein.

In diesem Kontext werden mir insbesondere zwei Fragen häufig gestellt:

Frage: Wird der bisherige Anspruch auf Wissenschaftlichkeit der Schulmedizin durch die Quantenphysik in Frage gestellt?

Antwort: Nein! Die wissenschaftliche Methode ist in der Quantenphysik genauso wie in der klassischen Physik gültig!

Frage: Führt die Quantenphysik zu einem Paradigmenwechsel in der Naturwissenschaft und damit in wissenschaftlicher Schulmedizin?

Antwort: Ja! Dafür gibt es mehrere Gründe. Zuerst die bestimmende, inhärente Rolle des Beobachters im Meßprozeß (Stichwörter: Die Teilchen-Welle Zweieinigkeit; die Heisenbergsche Unschärferelation; der Kollaps der Wellenfunktion; das von Neumann Fenster) Zudem gibt es «echte» Wahrscheinlichkeiten, das heisst Wahrscheinlichkeiten entstehen nicht aus Unwissenheit, sondern sind dem System inhärent (Stichwort: radioaktiver Zerfall). Dazu kommt noch die Verletzung des Lokalrealismus (= Objektivität+Lokalität)! Hier denke ich an Quantenverschränkungsphänomene – heutzutage in aller Munde -, was Einstein als „spooky action at a distance” beklagte. Dabei muss man aufpassen, denn das meiste, was über sogenannte Quantenheilung gesagt wird, besteht aus quantenphysikalischen Märchen!



Wir können auf dem mehr oder weniger festen Boden der medizinischen Wissenschaft bleiben und gleichzeitig mithilfe der Quantentheorie erklären, wie die Körper-Geist-Schnittstelle in der Tat als Körper-Geist-Zweieinigkeit funktioniert. Und es ist gerade diese Zweieinigkeit, die den Schlüssel zur Selbstheilung (und zu anderen psychogenen Phänomenen) bietet, und nicht irgendwelche ausgedachten oder vorgestellten „höheren Dimensionen“ oder dergleichen. Auf diese Art und Weise kann es sein, dass: Die Selbstbeobachtung beeinflusst die Selbstheilung (sowie auch den psychogenen Tod)!

Die (bewusste und unbewusste) Verarbeitung von Informationen im lebenden Organismus kann heilen wie auch krank machen oder gar töten. Die eigene Vorstellungskraft kann einen entscheidenden Einfluss auf den Heilungsprozess haben! Einfach gesagt: „Psychogene Heilung ist die Anwendung von der Vorstellungskraft als Heilmittel.“

Dieses medizinisches Verständnis nenne ich „Bewusstseinsmedizin.“

Wie bist Du auf „alles GOZO“ gekommen und was erwartest Du vom Kongress?

Veit Messmer ist allein schuld, dass ich auf „alles GOZO“ gekommen bin. Neben Sex, Drugs and Rock ‘n’ Roll erwarte ich als Psychomathelogicus viele spannende Diskussionen, gutes Essen, schönes Wetter und viel Spass beim Zusammensein mit Euch!


Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Albrecht

    Noch ein wichtiger Grund für GOZO 2017!! Vielen Dank Veit, dass Du mit Gary in Gozo dabei bist!

  2. Frank

    Genial Gary, proud of you !

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